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20.07.2017

LogiMatch-Stand auf dem BranchenForum Personal in der Logistik in der IHK Mittleres Ruhrgebiet

Auf der diesjährigen Personalveranstaltung des LogistikClusters NRW konnte das JOBSTARTER plus-Projekt „LogiMatch“ des BVWL sich mit einem Stand präsentieren und die Interessenten mit Infomaterial und Erläuterungen versorgen.

Die Veranstalter durften sich auch in diesem Jahr über regen Zuspruch freuen: trotz der begonnen Ferien besuchten knapp 60 Interessenten das Forum. Der Tag gliederte sich in einen Impulsvortrag zum Thema, eine sich anschließende Fragerunde mit Unternehmensvertretern sowie drei Workshops zu den Themen: Der Weg zum Ausbildungsbetrieb, Anforderungen an Ausbilder und Azubis einbinden – Ausbildungserfolg sichern.

Über den Impulsvortrag von Herrn Rasche wurde deutlich, dass Hauptschüler wesentlich größere Schwierigkeiten haben zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Die Benachteiligung verschiedener Gruppen von Jugendlichen auf dem Bewerbermarkt hat leider nicht abgenommen. Gelingt diesen Jugendlichen dann doch der Einstieg in eine Ausbildung, so ist die Zufriedenheit mit dem angestrebten Beruf erheblich niedriger als bei anderen Gruppen. Die Erklärung hierfür liegt in der mangelnden Wahlmöglichkeit. Wer eine Ausbildung beginnt, ohne seine Fähigkeiten einbringen zu können, ist erheblich gestresster, frustrierter und demotivierter. Ähnliches gilt für die Lehrinhalte in der Schule: hier klagen die Hauptschüler über zu viel Theorie und zu wenig Praxisbezug.

Auf der Seite der Unternehmen ist festzustellen, dass diese oft überzogene Anforderungen in Stellenanzeigen schreiben, was viele Jugendliche davon abhält, sich zu bewerben, weil sie denken, nur bei (fast) vollständiger Übereinstimmung mit dem Anforderungsprofil eine Chance zu haben. Dabei nehmen es die Unternehmen oft selbst nicht so genau mit den formulierten Erwartungen. Auch nicht ganz passgenauen Bewerbern würde sie oft eine Chance einräumen. Das produziert in der Folge Missmatches.

Des Weiteren unterschätzen die Betriebe den „Vorprozess“ im Bewerbungsverfahren: das „Team“ aus dem der Bewerber kommt. Wenn es gelingt, Eltern von Bewerbern zu gewinnen, dann hat bereits eine Teamübersetzung auf das Unternehmen stattgefunden: die Bestärkung und Unterstützung seitens der Eltern, ist ein oft unterschätzter Anknüpfungspunkt. Es ist deshalb durchaus sinnvoll, diese in den Prozess zu integrieren, weil damit eine Beziehungsebene geschaffen wird, über die eine gelingende Anbindung des Jugendlichen an den Betrieb geleistet werden kann. Schließlich sind Eltern und Jugendliche ein (zumeist) eingeschworenes Team, das in der gemeinsamen Überzeugung mehr Kraft und Nachhaltigkeit entfaltet.

Das gilt bei benachteiligten Jugendlichen umso mehr. Gerade in der Logistik treten diese Gruppen zunehmend in den Fokus, weil der allgemeine Ausbildungsmarkt für viele Logistikunternehmen inzwischen „leergefegt“ ist. Diese Gruppen sinnvoll zu erschließen, bedarf es eines guten Feingefühls, längeren Atems und Angeboten, die fachliche Defizite ausgleichen. Daraus können durchaus langfristige Perspektiven für die Nachwuchssicherung auch bei kritischer Bewerberlage erwachsen.

In der sich anschließenden Diskussion von Unternehmensvertretern spiegelten sich die vorhergehenden Ergebnisse. Es gibt nicht „den“ perfekten Azubi – auch die zweite Chance für Abbrecher etwa, führt oft genug zum Ziel. Ebenso wurde das klassische Anforderungsprofil für den Azubi kritisch gesehen. Besser ist es, dem Azubi ein Umfeld zu bieten, das über gute Ausbilder, ein offenes Betriebsklima und einen „Kümmerer“ verfügt, um die mit den gestiegenen Anforderungen verbundenen Belastungen abfangen zu können. Während die Jugendlichen in früheren Zeiten Geld als Mittel zur Freiheit betrachteten, den Führerschein machten, ein Auto kauften, ist das heute deutlich in den Hintergrund getreten, dafür Freizeit und Familie nach oben gerückt. Eine gute Ausbildung versteht sich heute deshalb mehr als ein Kennenlernen in verschiedenen Zusammenhängen entlang des Ausbildungsplans, die Förderung von Entscheidungsprozessen und der Vorbeugung vor einer „Konsumentenhaltung“. Manche Auszubildende wollen zum Ziel „hingetragen werden“. Da gilt es diese frühzeitig über die Motivation zur Eigeninitiative abzuholen: etwa über die oben angesprochene Einbeziehung der Eltern. Aber auch der Lernprozess selbst muss unterstützt werden: heute fragen die Jugendlichen bei den Eltern oder Freunden nach, natürlich auch bei Google. Sich selbst etwas zu erarbeiten ist für viele junge Menschen schwierig geworden. Da kommt es darauf an, Begeisterung für ein solches Arbeiten zu wecken, genügend Lob bei Erfolg auszusprechen und diesen Prozess gezielt zu unterstützen. Lernen will gelernt sein!


Im Hintergrund am Pult Herr Dr. Joachim Grollmann, last mile logistik netzwerk Gelsenkirchen–Herne–Herten und Markus Rasche

Markus Rasche

v.l.: Anja Graf, Anton Graf GmbH, Reisen und Spedition, Herne, Joachim Berndt, Remondis GmbH & Co. KG, Bochum, Bastian Belau, Loxx Holding GmbH, Witten, Michael Kietzke, Wittener Transport-Kontor Heinrich Stratmann GmbH, Witten und Kerstin Groß, IHK Mittleres Ruhrgebiet